Probleme mit den Problemen

26 05 2008

Als ich den Text über die Lerntheoretischen Grundlagen von diesem gewissen Autor gelesen habe, blieb ich gleich am ersten Punkt der Lerntheoretischen Grundlagen hängen. Im Text steht, dass Lernen an authentischen Problemen stattfinden sollte. Das ist auch das, was uns momentan in der Mathematikdidaktik beschäftigt. Meine Überlegungen haben zwar mit Computern weniger zu tun, sondern eher mit problemorientierten Aufgaben an sich, aber das passt, glaube ich, trotzdem zum Thema. Aufgaben wurden in der Vergangenheit oft in irgendeinen Zusammenhang gepresst, um einen Realitätsbezug zu bekommen. Ein etwas übertriebenes Beipiel, aber leider trotzdem nicht abwegig:

Die blauen Strecken wurden gemessen (c=5m; a=4m). Wie breit ist der Fluss?
Da stellt sich natürlich in der Realität die Frage, welcher Idiot da c gemessen hat um die Breite des Flusses herauszubekommen.

Eine neue Entwicklung finde ich auch etwas seltsam. Es scheint in Mode gekommen zu sein, die Fragen so offen zu lassen, dass es praktisch keine mehr gibt. In neuen Schulbüchern könnte zum Beispiel eine Aufgabe sein:
Tom hat 15Euro. Er kauft halb so viel Schokoladenjoghurt für 49Cent wie Vanillejoghurt für 39Cent.
Nein, ich habe nichts vergessen. Es gibt keine Frage. So in etwa, war die Aufgabe gestellt, die ich im Praktikum ausprobiert habe und da gab es auch gleich einige Kritik der Schüler:
„Was will man denn da jetzt wissen?“ „Zwei Vanillejoghurt und ein Schokoladenjoghurt ist ja schon ein Ergebnis.“ „Wer kauft denn schon für 15 Euro Joghurt? Der wird doch schlecht.“ Nach der Musterlösung im Buch, war das aber gefragt. Jetzt könnte man natürlich sagen, dass es sinnvoll ist, wenn die Schüler erst überlegen müssen, wie sie ihre mathematischen Kenntnisse auf diesen Sachverhalt anwenden können und wo das Problem (wenn man das so nennen kann) überhaupt liegt, aber dadurch wird es ja auch nicht realistischer und problemhaltiger. Ich würde das auch nicht unbedingt als authentische Problemsituation beschreiben.
Mehr zum Thema Probleme habe ich auf dem Landesbildungsserver entdeckt. Hier wird im Rahmen eines Unterstufenwettbewerbes jeden Monat das Problem des Monats eingestellt. Nachdem ich mir da einige Probleme angeschaut habe, bin ich mir aber auch nicht sicher, ob das richtige Probleme sind. Ich fühle mich nicht wirklich motiviert sofort eine Lösung zu finden und das, obwohl ich Mathematik mag. Interessanter und problemhaltiger finde ich Fermi-Aufgaben. Hier zum Beispiel eine interessante Seite dazu, für die dann auch der Computer genutzt werden kann, bzw. sollte. Leider erfordern diese eine Menge Zeit und den Mut ganz von der Schulmathematik, mit ihren klaren Rechenwegen und eindeutigen Ergebnissen, die man sonst kennt, wegzugehen. Für Projekte könnte das gut funktionieren, aber ich frage mich, wie man das in den täglichen Unterricht einbauen könnte… Tja, es scheint gar nicht so einfach zu sein ein richtiges Problem zu finden.